Regentropfen fallen langsam

von Ingrid Kloser, Piper Verlag

Prosa vom Feinsten.“ sagt Monika Helfer (eine meiner Lieblingsautorinnen) über dieses zarte, sensible Buch. Wie wahr! Die junge Nina, angehende Sängerin verliert plötzlich ihre Stimme. Sie bricht ihr Gesangsstudium panisch ab. Etwas stimmt ganz und garnicht, irgendetwas fehlt. Nicht nur die Stimme? Aber was? Ohne das Wissen ihres Bruders, der sie finanziert reist sie heimlich nach Wien und nimmt bei der unkonventionellen Gesangslehrerin Eva Unterricht. Diese wirft viele Regeln der klassischen Gesangslehre über Bord und Nina findet bei ihr einen Neuanfang, spürt in sich Stimmen, die da kommen wollen. Ganz eigene! Sie bleibt in Wien, jobbt in einem Café und wohnt in einer WG. Eines Tages spürt sie, dass der private Unterricht nicht weit genug führt. Da lernt sie ihre japanische Mitbewohnerin Yuko kennen. Eine innige, fast intime Freundschaft entsteht. Yuko nimmt sie an die Hand und lehrt sie die Bedeutung des Ma. Das steht im japanischen für Leere, Zwischenräume, die Pausen und Stille betonen. Der Anker in Zeiten der Veränderung, wenn das Alte geht und das Neue noch nicht da ist. Ein Stück Weg, der viel Mut von Nina, erfordert. Mutig auf sich selbst, auf alte verdrängte Dinge zu blicken und dann vielleicht wieder Luft zum Atmen und in diesem Fall zum Singen zu haben. Diese Reise wird begleitet von interessanten Einblicken in die japanische Kultur, die klassische Musik und ihre Größen (Chopin, Brahms bis Schubert u.v.m.) und die Kunst der Gesangswelt. Eine wunderbare Kombination, finde ich. Während ich diesen Text verfasse, höre ich Die Mainacht von Brahms. Und meine, Ninas Stimme zu hören, die da singt!