Abschiedssommer

von Jochen Missfeldt, @dtv-verlag


1959: die Deutschen schwelgen in der Rock´n Roll Ära, streben Leichtigkeit. Immer noch lastet tonnenschwer der Krieg, die Schuld. Bitte keine unbequemen Fragen, lieber schweigen und verdrängen. Zitat: “Lass uns nicht ungemütlich werden. Wir wollen es doch schön haben.“ Der 18jährige Gustav ist in Flensburg als Kriegswaise bei seiner Tante aufgewachsen, spielt in seiner Band “Flamingo“ und ist unglücklich in seine Jugendfreundin Johanna verliebt. Er verbringt seine Sommerferien auf einem Campingplatz an der Geltinger Bucht. Beschäftigt mit den Themen der Jugend. Die Liebe, das Abi, die Band. Aber ihn interessiert auch die Zeit im und nach dem zweiten Weltkrieg. Und umso weniger Antworten auf seine Fragen folgen, umso mehr forscht er. Das hat auch seine Gründe, da seine Johanna mit Mutter 1945 aus Königsberg fliehen musste und in Flensburg strandete. Als Kinder erleben Gustav und Johanna hier eine unbeschwerte Kindheit zwischen Kuhwiesen und Pferdekoppeln. Aber mit dem Erwachsenwerden kommen die Fragen. Andeutungen, Gerüchte, Gesprächsfetzen sind erst einmal alles, was insbesondere Gustav aufnimmt. Auch die Frage nach den Tätern spuken in seinem Kopf. Wo sind sie alle, womöglich auch im Umfeld? Integriert und reingewaschen? Er muss noch viele Jahre später feststellen, dass sein Lieblingslehrer im Krieg als Kriegsmaler auch in Auschwitz gezeichnet hat und neben der Massenvernichtungsanlage in der Villa seines Schwagers residierte. Ungeheuerlich! Die unermüdliche Neugier dieses jungen Mannes lässt uns Leser immer tiefer ins diese Thematik blicken. Vom versteckten Geschirr mit Hakenkreuz bis hin zu Fluchtalben aus Ostpreußen, (die Gustav nicht ganz zufällig in die Hände fallen) schauen wir mit ihm in diese Zeit zurück. Ein Leben lang wird er mit diesem Teil der deutschen Geschichte beschäftigt sein. Und heißt Gustav in Wirklichkeit vielleicht nicht Jochen? Zitat: Jochen Missfeldt kehrt in diesem Roman in seine Jugendzeit zurück. Die Zeit der schmalen Lederschlipse und Seidenkleider, der Kaffeeservices mit Goldrand … Und eben die der unbequemen Fragen!